Bereiterin oder Bereiter finden – die ehrliche Checkliste vor der Pferdeübergabe

Von Eva Schlünsen, Bereiterin und Dressurausbilderin · 2026-06-22

Wenn Sie Ihr Pferd in Beritt geben, ist das eine der größten Vertrauensentscheidungen, die Sie als Pferdebesitzer:in treffen. Sie übergeben ein Lebewesen, das auf Sie angewiesen ist, für Wochen oder Monate in fremde Hände. Eine gute Bereiterin oder ein guter Bereiter kann den Unterschied machen zwischen einem Pferd, das mit mehr Vertrauen und Tragkraft zurückkommt – oder einem, das stiller, härter oder verängstigter ist. Diese Checkliste soll Ihnen helfen, vor der Übergabe genau hinzuschauen.

1. Klären Sie zuerst Ihr eigenes Ziel

Bevor Sie überhaupt jemanden suchen, beantworten Sie sich ehrlich: Was soll mein Pferd lernen, was soll ich selbst danach können? Geht es um Grundausbildung, Korrektur, Turniervorbereitung, Verlässlichkeit im Gelände? Ein Stall, der „alles" anbietet, ist selten der richtige. Spezialisierte Ausbilder:innen mit klarem Profil sind in der Regel ehrlicher und besser, als universelle Generalist:innen.

Auch wichtig: Wie viel sind Sie selbst bereit, parallel zu lernen? Beritt ohne Reitereinbindung verpufft – das gilt für Grundausbildung wie für Korrektur.

2. Ausbildung und Hintergrund prüfen – aber realistisch

Trainerscheine, Bereiterprüfungen oder Turniererfolge sind ein Hinweis, aber kein Beweis. Es gibt hervorragende Ausbilder:innen mit wenig Papier und sehr durchschnittliche mit langer Titelliste. Wichtiger ist: Wie spricht die Person über Pferde? Wie reagiert sie auf Fragen? Wer auf eine fachliche Frage genervt reagiert oder pauschal antwortet, hat selten die Tiefe, die ein Korrekturpferd braucht.

Ich selbst lege Wert auf zwei Dinge: Eine fundierte klassische Ausbildung und eine ehrliche, ständige Weiterbildung. Wer behauptet, ausgelernt zu haben, hat aufgehört, dem Pferd zuzuhören.

3. Vor Ort schauen – immer, und am besten unangekündigt

Bevor Sie Ihr Pferd übergeben, fahren Sie hin. Schauen Sie sich an: Wie sehen die Pferde im Stall aus – wach, neugierig, mit Glanz im Fell, oder stumpf, abgekapselt, mit hängenden Köpfen? Wie ist die Haltung? Bewegung, Sozialkontakt, Heu? Wie wird in der Halle geritten? Hören Sie Stimmen, oder hauptsächlich Sporen und Gerten?

Ein Stall, in dem während Ihres Besuchs nichts zu sehen sein darf, ist verdächtig. Ein Stall, in dem Sie spontan mitgenommen werden, ist meist ein gutes Zeichen.

4. Konkrete Fragen, die Sie stellen sollten

Stellen Sie ruhig direkte Fragen – wer souverän ist, freut sich darüber. Wie viele Pferde sind aktuell in Beritt, und wie viele Einheiten pro Woche bekommt jedes? Wer reitet konkret mein Pferd – immer dieselbe Person oder wechselnd? Welche Hilfszügel werden eingesetzt – und in welcher Phase? Wie lange wird gearbeitet, mit welchem Aufbau in der Stunde? Wie wird mit Stress, Angst oder Widerstand umgegangen? Wie oft soll ich kommen, mitreiten, dabei sein? Was passiert, wenn das Pferd körperlich nicht arbeitsfähig ist – wer entscheidet über Pausen?

Antworten, die ausweichen, generalisieren oder mit „kommt auf das Pferd an" enden, ohne weiter zu erklären, sind ein Warnsignal.

5. Vertrag, Kosten und Klarheit

Eine seriöse Bereiterin macht einen schriftlichen Vertrag oder zumindest eine klare schriftliche Vereinbarung: Pensionskosten, Zahl der Einheiten, Dauer des Beritts, Versicherung, was im Krankheitsfall passiert, wie Tierarzt- und Hufschmiedkosten abgerechnet werden, was bei einem unverschuldeten Unfall geregelt ist. Ein Beritt, der ausschließlich auf Zuruf läuft, kann gutgehen – muss aber nicht.

Beim Preis gilt: Im Ruhrgebiet liegen seriöse Komplettpreise für Beritt mit Pension und fünf Trainingseinheiten pro Woche grob im Bereich von 900 bis 1.500 Euro pro Monat. Deutlich darunter wird in der Regel an Qualität, Pension oder Trainingsumfang gespart.

6. Rote Flaggen, die Sie ernst nehmen sollten

Es gibt Anzeichen, bei denen ich persönlich zurückziehen würde, egal wie sympathisch der Eindruck ist. Pauschale Heilsversprechen wie „in vier Wochen wieder rittig". Aggressiver Umgangston gegenüber Pferden, Mitarbeiter:innen oder Kund:innen. Verweigerung, beim Reiten zuzusehen. Schlechter Allgemeinzustand der Pferde im Stall. Ständig wechselnde Reiter:innen für dasselbe Pferd. Druck zur schnellen Entscheidung, weil „andere auf den Platz warten".

Ein guter Beritt verträgt Bedenkzeit. Wer das nicht akzeptiert, hat nicht Ihr Pferd im Blick, sondern den Kalender.

7. Der Bauch entscheidet mit

Wenn alles auf dem Papier stimmt, aber Sie auf der Heimfahrt ein flaues Gefühl haben – nehmen Sie das ernst. Pferdebesitzer:innen haben oft ein erstaunlich präzises Gespür dafür, ob jemand wirklich mit ihrem Pferd kann. Hören Sie darauf, bevor Sie unterschreiben.

8. Mein Anspruch als Bereiterin

Ich nehme nicht jedes Pferd. Nicht aus Snobismus, sondern aus Verantwortung. Mein Anspruch ist, dass ein Pferd nach der Zeit bei mir mit mehr Vertrauen, mehr Tragkraft und mehr Klarheit zurückgeht – und dass seine Besitzer:innen wissen, wie sie das halten. Wenn das nicht möglich ist, ist es ehrlicher, das vorher zu sagen, als hinterher zu entschuldigen.

Wenn Sie für Ihr Pferd eine Bereiterin im Großraum Essen, Velbert, Ratingen, Mettmann, Heiligenhaus oder im weiteren Ruhrgebiet suchen und sich unsicher sind, ob mein Ansatz zu Ihrem Pferd passt: Schreiben Sie mir. Ein offenes Gespräch ist immer besser, als die falsche Entscheidung zu treffen.

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